Höhen und Tiefen vom Leben und Sterben

Mein Weg und deren Sackgassen
 

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Alles auf Anfang

Reporter: Sag' mal, wie hat das bei dir eigentlich angefangen, dass du aufs Essen geachtet hast?

L.:In der 6ten Klasse hatte ich eine Freundin die mich in diesen Lifestyle einführte. Damals ritzten wir uns beide,wozu ich ergänzen möchte, dass ich sie wohl dazu gebracht habe. Irgendwann hat uns das nicht mehr gereicht. Ihre Schwester, die 3 Jahre älter war, musste gerade einen Aufsatz über Anorexia Nervosa und Bulimie verfassen. Den haben wir uns denn durchgelesen. Zu dem Zeitpunkt haben wir immer viel gegessen und haben uns nie darum gekümmert. Wir wollten dann damit abschließen. Ich weiß, dass ich da um die 48 Kilo gewogen habe. In dem Alter schon nicht wenig, aber ich war halt schon immer etwas dicker. Zu meiner Freundin habe ich immer gesagt, ich würde 40 wiegen, also ungefähr soviel wie sie. Ich habe mich geschämt so viel mehr zu wieder. Aber das Vorhaben, nichts mehr zu essen, scheiterte schon am ersten Abend, dank unseren Eltern. Dann beschlossen wir einfach, nach dem Essen alles wieder auszukotzen. Mehrmals saßen wir in den Pausen auf den Toiletten und haben versucht alles wieder zu erbrechen. Ich war die einzige die es schaffte, aus unserer dreier Kombi. Die anderen standen daneben und motivierten mich. Wenn ich jetzt so zurückblicke, frage ich mich wieso ich so leicht zu manipulieren war.

Reporter: Wieso haben sie sich damals geritzt?

L.:Bei mir war es eine unerwiderte 'Liebe' die fast zu Mobbing führte. Es gab mir das Gefühl, nicht alles zu bekommen was ich will. Das kannte ich nicht. Ich habe mir daraufhin seinen Namen in Großbuchstaben auf den Arm geritzt. Unübersehbar. Danach haben wir weiter gemacht, weil wir unzufrieden waren mit unserem Leben. Ach, eine Aktion dümmer als die andere und eigentlich war unser Leben richtig gut.

Reporter: Wie ging es dann weiter?

L.:7te Klasse besuchten wir beide dann das Gymnasium, wo sie sich mehr an andere Leute klammerte und mich fertig gemacht hat. Da war aber alles nicht halb so schlimm wie in der 8ten. Ich weiß nicht, was der Auslöser für mein denken war, aber ich habe von Null auf Hundert mich zu dick gefühlt und angefangen abzunehmen. Morgens musste ich mit meinem Vater ein Toast essen. Aber auch da ließ ich irgendwann die Butter weg, worauf er total ausgerastet ist. Zum Mittag in der Schule habe ich immer konstant 100g gegessen. Meine Freunde redeten auf mich ein. Teilweise saß ich weinend da. Sie hörten jedoch nie auf. Mein Tiefstgewicht war dann 52 kg. Nicht wenig im Vergleich zu anderen anorektischen Patienten, aber für mich schon gut. Mein Gewicht schwankte dann zwischen 53-54 kg für eine Zeit lang. 1Jahr ging das so bis ich nach den Sommerferien wieder auf mein Ausgangsgewicht von fast 60kg kam. Hab ich alles protokoliert.

Reporter: Haben sie einen Eintrag für uns?

L.: Dieser ist vom 7.10.2013

>Fett, fetter, L.! Guck' in den Spiegel und sag', dass du hübsch, schlank oder gar sexy bist! Du kannst es nicht, weil du dich nicht selber belügen willst? Gut. Dann hör' auf morgens auf der Waage herum zuflennen, wenn du dich nur voll frisst. Morgen nimmst du die Süßigkeiten mit zur Schule und verschenkst sie. Wenn du das geschafft hast, sehen wir weiter. Setze kleine Ziele. Kauf' dir nie vom Essensgeld wirklich Essen! Oberste Regel. Wir schaffen das Schwaches-Ich!<

Reporter: Das klingt als würden sie ein niedriges Selbstwertgefühl besitzen. Haben sie sich oft Sachen verboten?

L.: Keine Ahnung, jedenfalls saß ich abends im Bett und plante alles genau durch. Diese Sicherheit, dass morgen alles besser wird, hat mich am leben erhalten. Jeder Tag war eine neue Chance für mich. Mein Glauben, meine Kraft.

Reporter: Wie sind die dann mit ihrem neuen, alten Gewicht umgegangen?

L.: Ich könnte fast behaupten, dass ich beinahe raus war. Doch dann fing meine beste Freundin damit an. Sie triggerte mich sehr. Nur wollte ich es besser machen als sie. Sie ist immernoch Magersüchtig.

Reporter: Was wollen sie denn bessen machen und vorallem wie?

L.: Durch überwiegend Sport und ausschließlich gesunder Ernährung. Das klappt auch an sich, nur natürlich wesentlich länger als durchs nichts essen. Das zog ich dann auch ne Weile durch. Dann kam mein Geburtstag der mich von meinem gut durchdachten, schlecht umgesetzten, Plan abhilt.

Reporter: Wie sieht es heute bei ihnen aus? Haben sie sich mit ihrem Gewicht abgefunden?

L.:Ganz im Gegenteil. Ich stecke tiefer drin den je. Möglicher Knackpunkt? Keine Ahnung. Ich will mich wohlfühlen und sportlich sein. Mein Ziel sind die 53 Kilo. 

Reporter: Wie geht es ihnen mit solch einem Lifestyle körperlich?

L.: Energie ist ein Fremdwort. Selbst dich zu konzentrieren fällt dir schwer. Irgendwann schreit dein Körper nach Essen. Aber wenn der Kopf stärker ist, dann bekommst du Tage lang nichts ordentliches zu fassen. Der Preis nach gutem Aussehen ist viel zu groß, um nicht dran teilzunehmen. Die Medien zeigen doch jeden Tag wie man aussehen muss, um anerkannt zu werden.

 

2.6.14 21:48

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


luna / Website (4.6.14 21:43)
Hey du , also ich weiss wir kennen uns nicht , ... aber ich finde deine geschichte sehr faszinierend mir geht es so wie dir nur dass ich noch nicht so weit bin
du erinnerst mich sehr an michselbst besonders in deinem letzten eintrag,
ich fuehle mich auch unwohl bekomm es aber nicht auf die reihe anzunehmen. Respekt dass du das geschafft hast, aber bitte uebertreib es nicht.
Genauso wie du ueberfordert mich die schule ich habe keinen elan mir irgenwie muehe zugeben kann am ende ja eh nichts reissen. Also du bist nicht allein (;

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